Bei einem meiner dreistündigen Workshops zu „Surf the Waves of Life“ haben wir uns mit den Wellen, dem Surfen und dem Leben beschäftigt. Gerade beim Thema Leben kamen wir so richtig ins Gespräch. Da war viel zu erzählen, viel wiederzuerkennen, und wir hätten noch lange weitersprechen können. Für mich war das ein schöner Moment: Ein Bild öffnet etwas, und auf einmal entsteht eine Verbindung zu dem, was die Menschen tatsächlich bewegt.
Die Ruheinsel war dabei ein wichtiges Bild. Und als ich später auf den Workshop zurückgeschaut habe, blieb eine Frage bei mir hängen: Wie geben wir dem, was wir dort erfahren, noch mehr Raum? Besonders nach Yoga Nidra. Wie kommen wir von dieser inneren Erfahrung wieder in unser Leben, in unsere Beziehungen, in unsere Arbeit, in die Dinge, die uns am Herzen liegen?
Deshalb möchte ich Dir hier von diesem Übergang erzählen. Vielleicht ist Deine Praxis gerade zu Ende. Vielleicht liest Du den Text, weil Du Yoga Nidra erst kennenlernen möchtest. In beiden Fällen geht es um dieselbe Einladung: Dir zuzuhören und zu schauen, was Du aus Deiner Erfahrung mitnehmen möchtest.
Lass Deine Praxis erst einmal ankommen
Am Ende einer Yoga-Nidra-Anleitung wirst Du wieder nach außen geführt. Nimm Dir Zeit für diesen Übergang und folge den Hinweisen der jeweiligen Praxis. Spüre den Kontakt zu Deiner Unterlage, orientiere Dich im Raum und bewege Dich in Deinem Tempo. Du musst Deine Erfahrung nicht schon sortiert haben, während Du noch aufstehst.
Vielleicht spürst Du Ruhe. Vielleicht sind viele Gedanken da, vielleicht warst Du zwischendurch eingeschlafen. Vielleicht kannst Du kaum sagen, was die Praxis heute für Dich war. Bevor Du eine Erklärung suchst, könntest Du einen Moment bei dem bleiben, was Du gerade wahrnimmst. Wie fühlt sich Dein Körper an? Welche Stimmung ist da? Was beschäftigt Dich jetzt?
Ich stelle mir vor, dass man eine Ruheinsel auch erst einmal betreten muss, bevor man schon den nächsten Weg plant. Du schaust Dich um, kommst an, bemerkst, wo Du bist. Dieses Bild hilft mir, dem Übergang etwas Raum zu geben. Die nächste Nachricht kann einen Moment warten, wenn es Dein Alltag gerade erlaubt.
Es geht dabei um Deine eigene Erfahrung. Die muss nicht aussehen wie die Erfahrung anderer Menschen, und sie muss auch nicht jedes Mal gleich sein. Wenn Du etwas aufschreiben möchtest, beginne einfach mit dem, was Du bemerkt hast. „Heute war für mich …“ lässt Dir mehr Raum als die Frage, ob Du die Praxis gut genug gemacht hast.
Was Du auf Deiner Ruheinsel findest, darf eine Frage bleiben
Für mich steht die Ruheinsel für einen inneren Bezugspunkt. Einen Raum, in dem ich mich selbst wahrnehme und frage: Was ist mir wichtig? Wer bin ich, wenn ich mir wirklich zuhöre? Von hier aus kann ich auf die Wellen in meinem Leben schauen und entdecken, wie ich ihnen begegnen möchte.
Diese Bilder sind mit meinem eigenen Weg gewachsen. Als ich 2006 mit Yoga und Yoga Nidra begann, suchte ich zunächst nach einem Umgang mit meinem Kopf, der einfach weiterarbeitete. IT, Vertrieb und Consulting hatten meinen Alltag geprägt. Aus der Suche nach Ruhe entstanden mit der Zeit weitere Fragen. Wie möchte ich leben? Was möchte ich weitergeben? Und wie bleibe ich mit dem in Verbindung, was ich in meiner Praxis erkenne?
Heute begegnen mir diese Fragen in meiner Arbeit als YogiCoach, in der Yoga Nidra Academy und in den Workshops. Beim Rückblick auf „Surf the Waves of Life“ wollte ich zum Beispiel dem Austausch über die Ruheinsel noch mehr Zeit geben. Mich interessiert, welche Bilder die Menschen mitbringen und wie sie selbst eine Verbindung dazu finden. Eine Collage der eigenen Ruheinsel wäre eine Möglichkeit, das in einem längeren Format weiterzuentwickeln.
Vielleicht taucht bei Dir nach Yoga Nidra eine Ausrichtung auf, die Du mit Deinem Sankalpa verbindest. Vielleicht entsteht erst eine Frage. Du kannst beides mitnehmen. Du musst nicht nach jeder Praxis einen neuen Satz formulieren oder sofort wissen, wohin Dein Weg führt. Manches wird klarer, wenn Du wieder übst, im Alltag etwas ausprobierst und später darauf zurückschaust.
Wenn Du das Thema vertiefen möchtest, findest Du hier mehr zu Sankalpa und innerer Ausrichtung. Für den Moment reicht vielleicht schon diese Frage: Was von meiner heutigen Erfahrung möchte ich mit in den Tag nehmen?
Zurück ins Leben – und dort etwas ausprobieren
Das Leben wartet nicht erst darauf, dass wir mit unserer inneren Arbeit fertig sind. Es ist längst da: mit Menschen, mit Verantwortung, mit etwas Schönem, das wir planen möchten, und mit Dingen, die unsere Aufmerksamkeit brauchen. Wenn ich vom „Return to the Ocean“ spreche, meine ich genau diese Rückkehr. Du gehst von Deiner Ruheinsel wieder in Deine Lebensbereiche hinein und schaust, wie Du dort handeln möchtest.
Vielleicht merkst Du nach der Praxis, dass Dir ein Gespräch wichtig ist, das Du schon länger vor Dir herschiebst. Vielleicht wird Dir bewusst, dass ein Herzensprojekt immer wieder hinter anderen Aufgaben verschwindet. Oder Du möchtest heute einfach mit etwas mehr Aufmerksamkeit in Deinen Tag gehen. Aus derselben Yoga-Nidra-Praxis können ganz unterschiedliche nächste Schritte entstehen, weil jeder Mensch eine eigene Geschichte mitbringt.
Nehmen wir ein Beispiel: Du spürst, dass Du Deinem kreativen Projekt mehr Raum geben möchtest. Dann könntest Du schauen, welcher Teil heute wirklich möglich ist. Eine Idee notieren. Einen Termin mit Dir selbst vereinbaren. Die erste Seite aufschlagen, ein Foto auswählen oder eine Nachricht vorbereiten. Etwas, an dem Du morgen wieder anknüpfen kannst. Du musst die ganze Zukunft dieses Projekts noch nicht gelöst haben.
Oder es geht um eine Beziehung. Du bemerkst, dass Du jemandem schon länger kaum richtig zugehört hast. Dein nächster Schritt könnte dann sein, Dir Zeit für ein Gespräch zu nehmen und mit einer offenen Frage zu beginnen. Hier wird für mich die Verbindung zwischen Yoga und Coaching lebendig: aus der eigenen Wahrnehmung entsteht eine Entscheidung, aus der Entscheidung eine Handlung, und in dieser Handlung erfährst Du etwas über Dich und Dein Miteinander.
Ich bin selbst sehr an dieser Beziehung zu mir interessiert. Gleichzeitig erinnert mich meine Arbeit immer wieder daran, dass eine Erkenntnis auch eine Handlung braucht, wenn ich sie weiter kennenlernen möchte. Genau diese Verbindung möchte ich mit „Be Yogi & Coach Yourself“ weitergeben. Du gehst nach innen, hörst Dir zu und findest von dort einen Weg zurück in Dein Leben.
Drei Zeilen für Deinen Übergang
Wenn Du nach der nächsten Praxis einen kleinen Anknüpfungspunkt möchtest, lege vorher ein Blatt und einen Stift bereit. Lass nach der Anleitung erst etwas Zeit vergehen, komm an und schreibe dann in Deinen eigenen Worten: „Ich nehme gerade wahr …“, „Heute ist mir wichtig …“ und „Das möchte ich ausprobieren …“.
Du darfst bei einer dieser Zeilen bleiben, wenn sie gerade die richtige Frage öffnet. Vielleicht sind es nur wenige Worte. Vielleicht möchtest Du mehr erzählen. Schau später noch einmal auf Deine Notiz: Hat sich etwas davon in Deinem Tag gezeigt? Diese Rückschau kann Dir helfen, Deine Praxis und Deinen Alltag miteinander zu verbinden, ohne die Erfahrung sofort festlegen zu müssen.
Wenn Du Yoga Nidra mit mir kennenlernen möchtest, findest Du in meinem kostenfreien Onlinekurs „Yoga Nidra für Dich“ einen Einstieg mit kurzen Videos, einer geführten Praxis und einem Diary. Du kannst in Deinem eigenen Tempo beginnen und schauen, wie Du diese Einladung für Dich nutzen möchtest.
Mehr über die Wellen, Deine Ruheinsel und das Zurückkehren ins Leben erzähle ich auf der Seite Surf the Waves of Life. Und wenn Du irgendwann andere Menschen in dieser Praxis begleiten möchtest, kannst Du Dich über Yoga Nidra lernen und weitergeben informieren.
Für heute wünsche ich Dir vor allem Zeit, Deine eigene Erfahrung zu bemerken. Vielleicht ist das schon der Anfang von etwas, das Du morgen weiterführen möchtest.
Deine eigene Yoga-Nidra-Erfahrung
Im bestehenden kostenfreien Kurs „Yoga Nidra für Dich“ kannst Du mit kurzen Videos, einer geführten Praxis und einem Diary beginnen. Nimm Dir die Zeit, die heute für Dich passt.
Marc Fenner
Mein Weg mit Yoga und Yoga Nidra begann 2006. Heute verbinde ich eigene Praxis, Ausbildung und persönliche Begleitung als YogiCoach.